Neuseeland Teil 6
Castlepoint, 28.11. - 01.12.2023
Zwei Tage lang brauche ich kein Auto und laufe immer nur am Strand herum.
28.11.2023
Tja, und schon war auch der Aufenthalt beim Taranaki vorbei. Wie schnell das alles ging. Heute erwartete mich wieder eine längere Autofahrt. Rund 380 km und ca. fünf Stunden reine Fahrzeit.
Bei meiner Planung hatte ich lange überlegt, ob ich wirklich nach Castlepoint in den Südosten fahren sollte. Ich hatte Fotos bei Rach Stewart gesehen, und es sah superschön aus. Küste, Strand, Felsen und ein Leuchtturm. Der Punkt war, dass ich ohnehin nach Wellington zur Fähre musste und nicht die ganze Strecke von Egmont Village aus fahren wollte. Ein Zwischenstopp war also ohnehin fällig. Im Bereich der Südwestküste fand ich nichts, was mich richtig angesprochen hätte, und so entschied ich mich, doch den weiten Weg nach Castlepoint auf mich zu nehmen.
Auch mit der Wohnung hatte ich lange überlegt. Etwas weiter nördlich von Castlepoint hätte ich eine etwas günstigere Wohnung gefunden. Aber dann hätte ich mit dem Auto nach Castlepoint fahren müssen. Wäre es stattdessen nicht viel schöner, in direkter Strandnähe in Castlepoint zu wohnen? Und morgens einfach mal zu Fuß an den Strand zu gehen und den Sonnenaufgang zu fotografieren? Dann wieder zurückgehen und frühstücken, anstatt immer mit dem Auto hin- und herzufahren?
Ich entschied, dass das auf jeden Fall schöner war, und mietete eine Ferienwohnung direkt in Castlepoint, die größer war als nötig, aber den Fotos nach schön und modern. Und kein Duschvorhang im Bad.
Am frühen Abend erreichte ich Castlepoint. Die Wohnung war wiederum ein kleines Haus, wie es in Neuseeland üblich ist. Der Schlüssel war auf der Terrasse in einer Schlüsselbox, und die Wohnung war super. Ich war begeistert. Wie auf den Fotos. Nach der Wohnung in Raurimu, in der ich mich so unwohl gefühlt hatte, und dem etwas in die Jahre gekommenen Posthäuschen war das jetzt wirklich top! Drei Nächte würde ich hier bleiben. Ich richtete mich ein und machte mich auf den Weg zum Strand, um den Abend gleich zum Fotografieren zu nutzen. Ich musste vielleicht 50 Meter zwischen anderen Häusern und Gärten durchgehen und war am Strand! Super!
Ich lief zum Leuchtturm, und dann kam sogar die Sonne heraus und leuchtete zur goldenen Stunde alles schön aus. Und dann gab es noch einen gigantischen Sonnenuntergang, was will man mehr! Ich freute mich.
29.11.2023
Zwei ganze Tage Castlepoint. Ich ließ das Auto stehen. Alles war fußläufig zu erreichen, klein und überschaubar! Es war durchaus erholsam. Ich schaute gar nicht erst, was es alles noch in der Umgebung zu sehen gegeben hätte. Essen hatte ich ausreichend mitgebracht, denn hier gab es nur einen kleinen Laden mit Krimskrams.
Am ersten dieser beiden Tage erkundete ich ausgiebig den Leuchtturm und seine Fotomöglichkeiten, denn am nächsten Tag wollte ich zum Sonnenaufgang fotografieren. Heute war es zu wolkig gewesen. Es stürmte ziemlich, und der Himmel war recht spannend. Der Leuchtturm ist sozusagen rechts am Eck, von Castlepoint aus gesehen. Man kann dann rechts noch weiter an der Küste entlanglaufen zum Castlepoint Riff und The Gap, die Lücke. Interessante Felsformationen, das Riff, führen an der Küste entlang, dann kommt The Gap, die Lücke also, wo bei Flut Meerwasser reinläuft. Es sieht dann wie ein See aus. In dieser Bucht läuft man wieder auf feinstem Sandstrand, wie auch auf der anderen Seite in der Castlepoint Beach.
oben: Auf dem dritten Foto sieht man Castlepoint Riff und The Gap, dahinter ragt Castle Rock auf. Das letzte Bild zeigt den “See” mit dem Leuchtturm im Hintergrund.
Ich fand, Castlepoint war ein wunderbarer Fleck Erde, und ich war froh, dass ich mich dazu entschieden hatte, diesen Umweg zu fahren. Am Ende der sogenannten Bucht konnte man auf Seehunde treffen, so hatte ich gelesen, und tatsächlich hielten sich ein paar dort auf. Sie beobachteten mich, und ich hielt deutlich mehr Abstand als damals in Kaikoura, wo man wirklich bis auf wenige Meter heran konnte.
Abends am Strand fand ich noch so diverses. Einen toten Fisch. Einen toten Seehund. Und einen Schneemann aus Sand. Ich habe alles fotografiert.
oben: Fundstücke am Strand
Irgendwann fand ich auch Paua-Muscheln am Strand. Da hatte jemand offenbar seine Sammlung aufgelöst, denn es lagen so ungefähr 20 herum. Ich nahm ein paar mit und freute mich. Es dauerte allerdings ganz schön lange, bis sie nicht mehr nach Fisch stanken.
In der Nacht stürmte es erheblich. Das ganze Holzhaus wackelte, und ich hatte etwas Bedenken. Ich versuchte mich damit zu beruhigen, dass es ja schon eine ganze Weile stand und daher hoffentlich nicht auseinanderfliegen würde. Bei uns in Deutschland wäre das ein Riesensturm gewesen, aber hier war es eben - Wind. Nur schlafen konnte ich nicht wirklich gut, bei dem Lärm, den der Sturm machte. Das wackelnde Haus machte es nicht besser.
30.11.2023
Dennoch raffte ich mich am nächsten Morgen auf, um zu fotografieren. Ich war froh, dass ich nicht die Wohnung weiter nördlich genommen hatte. So konnte ich einfach zu Fuß zum Leuchtturm gehen, um einen schönen Sonnenaufgang zu fotografieren. Zwei andere Fotografinnen waren ebenfalls dort, und wir wechselten ein paar Worte.
Später verkünstelte ich mich an Fotos mit dem Leuchtturm im Hintergrund und gelben Gazanien im Vordergrund. Die gehörten hier zur Dorfdekoration. Natürlich sind die meisten nichts geworden, denn ich war wieder zu faul, mit Stativ zu fotografieren und Bilder für ein vernünftiges Focus Stacking zu machen.
Nach dem Frühstück lief ich erneut rechts am Leuchtturm vorbei, diesmal auf dem Deliverance Cove Track, der sozusagen auf der anderen Seite des Riffs und der Bucht oberhalb vorbeiführt. Am Ende dieser Bucht gab es nämlich noch einen Hügel, den Castle Rock, den ich eventuell erklimmen wollte, wenn der Weg ok war.
Hinter dem Castle Rock ging die Küste natürlich weiter, und bevor ich den Hügel erklomm, hatte ich vom Kamm aus einen wunderbaren Blick in die nächste langgezogene Bucht, wiederum mit Sandstrand, und die weitere Küste. Ich fand, dass das ein guter Platz für den Sonnenuntergang wäre, denn hinter dieser Bucht würde die Sonne untergehen, und in die andere Richtung hatte ich den Leuchtturm mit der anderen Bucht im Blick.
oben: Blick vom Kamm nach rechts und links. Die Bucht habe ich dann noch mit ICM fotografiert.
Schließlich erklomm ich auch den Castle Rock, der Weg war ganz ok, und ich genoss eine fantastische Aussicht.
Auf dem Rückweg wollte ich nicht wieder den ganzen Track zurücklaufen, sondern über den Strand gehen. Ich glaube, ich war schon recht weit unten, als da wieder mal ein Schild stand, dass der Weg zum Strand gesperrt wäre, weil wieder irgendwas zusammengebrochen war. Ich hatte nun aber gar keine Lust, einen Umweg zu gehen, ich war nahe am Strand und dachte mir, ich würde schon irgendwie runterkommen. Also ging ich weiter, hatte allerdings etwas Bedenken wegen der Seehunde. Ich hatte schon am Vortag gesehen, dass sie teilweise über Böschung und Felsen kletterten, um ein passendes Schlafplätzchen zu finden. Ich wollte keinesfalls so einen armen Seehund, der irgendwo im Gras lag, erschrecken und zum Angriff nötigen. Leider kenne ich mich mit der Körpersprache von Seehunden so gar nicht aus. Daher machte ich immer etwas Krach und sprach laut oder sang. Ich traf aber keinen Seehund.
Schließlich war ich da, wo der Weg weggebrochen war, aber ich konnte irgendwie runtersteigen, auf allen vieren. Am Strand sah ich dann wieder Seehunde.
Nachmittags wurde das Wetter besser, und ich lief mal die Küste links von Castlepoint entlang, einfach so am Strand. Das Meer war recht aufgewühlt, und so fotografierte ich Felsen, Meer und im Hintergrund den Leuchtturm. Überhaupt machte ich an diesem Tag entsetzlich viele Fotos, denn ich hatte mich auch wieder mit ICM versucht, mit geringem Erfolg.
Und nach dem Abendessen ging es wieder rechts herum, auf den Deliverance Cove Track zum Kamm. Die Bucht auf der anderen Seite hatte Gegenlicht, und das Meer rauschte immer noch ziemlich, so dass die Gischt im Gegenlicht der untergehenden Sonne leuchtete. Ich fotografierte mit dem 100-400 mm, das ich ebenfalls mitgeschleppt hatte. Die Fotos, die ich hier machte, gehören zu meinen Favoriten von dieser Reise.
Zwischendurch fotografierte ich in die andere Richtung mit dem Leuchtturm, der im Abendlicht leuchtete. Ich musste nur ein paar Meter hin- und hergehen.
Zufrieden ging ich nach Sonnenuntergang zurück. Ich weiß nicht, wieviele Kilometer ich an diesem Tag gelaufen bin, davon viele durch den Sand, und immer mit Fotoausrüstung. Jetzt merkte ich, dass es doch ziemlich anstrengend gewesen war. Mühsam latschte ich zurück. Ach, wie weit der Weg doch war! Und wie schwer die Fotoausrüstung. Als ich durch Castlepoint zurücklief, sah ich in der Abenddämmerung überall Kaninchen in den Gärten herumhoppeln und hemmungslos alles abfressen, dessen sie habhaft werden konnten. Ach wie süß! Aber ach, immer noch so weit! Dann lief ich auch noch an meiner Abzweigung vorbei. Hach, jetzt war ich umsonst zweihundert Meter gelaufen und musste auch noch zurücklaufen!
Was war ich froh, als ich endlich in der Ferienwohnung war.