Der Westen Cornwalls
Dieser Artikel über meine Reise nach Cornwall erschien in der NaturFoto 5/2026. Hier im Blog ist das etwas längere Original mit ein paar zusätzlichen Infos. Die Fotos finden Sie in der Galerie ”Vereinigtes Königreich”. Die guten, nicht die Schnappschüsse.
Nanjizal Cove
Ich denke gerne an meinen Urlaub in Cornwall zurück. Es war einer der entspannendsten Urlaube, die ich je hatte. Auch fotografisch. Denn während man bei England doch eher an wechselhaftes Wetter und häufige Regenschauer denkt, hatte ich gut zwei Wochen Sonnenschein und blauen Himmel. Na gut, an zwei Vormittagen war es bewölkt, und ich meine mich zu erinnern, dass sogar drei oder vier Regentropfen den Boden erreichten. Aber sonst – Sonne. Das war natürlich einerseits schade, denn ich hatte auf tolle Wolkenhimmel gehofft und große Wellen, die sich spektakulär im Sturm an den Klippen mit den Ruinen der Crowns Engine Houses brachen. Andererseits war es entspannend, denn es war egal, wann ich wohin fuhr, die Sonne schien. Keine Wolken zum Sonnenaufgang? Wozu dann früh aufstehen, fotografiere ich halt im Abendlicht. Welches Wetter für welche Örtlichkeit? Egal, die Sonne schien, es gab nur ein Wetter. Und das Meer plätscherte auch nur entspannt vor sich hin und dachte gar nicht daran, irgendwas Spektakuläres zu veranstalten. Ich geb’s zu, die Fotografin in mir hätte sich anderes Wetter gewünscht, aber die Urlauberin freute sich.
Und so saß ich vormittags – vielleicht nach einer kleinen Fototour - meist entspannt auf der kleinen Terrasse vor meinem kleinen Ferienhäuschen und las. Das Ferienhäuschen gehörte zu einer Farm, die abgelegen im Bereich Nancledra lag. Es war wunderbar ruhig, und wenn ich irgendwo hinfuhr, musste ich erst etwa zwei Kilometer auf holprigen Feldwegen fahren, bevor ich eine richtige Straße erreichte. Mittags schipperte ich ein wenig mit dem SUP-Board auf dem farmeigenen kleinen See herum und freute mich an den blühenden Rhododendren um mich herum. Mittags braucht man eh nicht fotografieren. Und nachmittags machte ich mich entspannt auf den Weg. Die Sonne schien.
oben: mein kleines Häuschen und der See
Anreise und Autofahren
Ich hatte mich für die Anreise mit meinem eigenen kleinen Pkw entschieden. 1280 km waren zu bewältigen, so dass ich zwei Tage einplante. Den ersten Tag fuhr ich bis Coquelles nahe Calais, wo ich mit dem Zug durch den Eurotunnel, jetzt „LeShuttle“, bis Folkestone fuhr. Der Transport mit LeShuttle hatte mich im Vorfeld etwas nervös gemacht, bis ich am Vorabend meiner Reise ein YouTube-Video fand, wo jemand das ganze Drumherum gefilmt hatte. Jetzt kannte ich mich schon ein bisschen aus und war entspannter. Die Fahrt mit dem Zug dauert nur etwa 35 Minuten.
oben: lange Wege, bis man endlich in den Zug fahren kann. Auf dem letzten Bild ist links der Zug, das Fahrzeug vor mir fährt gleich hinein.
In Folkestone übernachtete ich, und am nächsten Morgen ging es weiter nach Nancledra.
Die Grafschaft Cornwall liegt im Südwesten von England und hat eine Fläche von rund 3500 km², also nichts, wo man mal eben in zwei Wochen alles anschauen kann. Aus diesem Grund wollte ich mich auf den westlichen Teil beschränken. Im Allgemeinen erkunde ich eine Gegend gerne genauer und suche einige Fotospots auch mehrfach auf.
Im Vereinigten Königreich herrscht bekanntermaßen Linksverkehr. Wer noch nie im Linksverkehr gefahren ist, dem empfehle ich, am ersten Tag keine langen Strecken zu fahren, zumindest nicht außerhalb der Autobahn. Das Gehirn muss erst ein paar neue Synapsen bauen, das macht es im Schlaf, buchstäblich. Landstraßen sind teilweise sehr schmal, so dass nur ein Fahrzeug passieren kann. Wenn der Mittelstreifen wegfällt, dann wird’s eng. Eine großartige Beschilderung wie in Deutschland (70 - 50 - 30 - Fahrbahnverengung!) darf man nicht erwarten. Es gibt viele Kreisverkehre, häufig mehrspurig. Es kann hilfreich sein, sich hier auf YouTube passende Videos anzusehen. In Hayle gab es zwei Kreisverkehre direkt nebeneinander, sozusagen eine Acht, deren Sinn sich mir nicht erschlossen hat, ebenso wenig wie die korrekte Fahrweise. Ich bin halt irgendwie durchgefahren.
Bergbau
In Cornwall wurde früher viel Bergbau betrieben, vor allem Zinn und Kupfer. 2006 wurde die Bergbaulandschaft sogar in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Als Überbleibsel dieses Bergbaus findet man überall in Cornwall Ruinen. Einige davon sind recht bekannte Fotospots, wie die Botallack Mine oder Wheal Coates. Die wollte ich mir natürlich auch ansehen. Die Ruinen in diesen ehemaligen Bergwerken stehen alle unter dem Denkmalschutz des National Trust.
oben: links der Küstenabschnitt mit der Botallack Mine, man erkennt ein paar Ruinen in der Ferne. Die anderen drei Fotos zeigen die Crowns Engine Houses.
Landschaft
Die Landschaft im Landesinneren mit ihren Hügeln, Wiesen, Bäumen, blühenden Rhododendren und Wildblumen fand ich wunderschön. Es gelang es mir leider nicht, diese Landschaft auch entsprechend fotografisch zu würdigen. Na gut, allzu oft habe ich es nicht versucht, denn es zog mich immer an die Küsten. Hier wechseln sich Klippen und Felsformationen ab mit fantastischen Sandstränden. Zu meiner großen Freude blühten noch viele Strand-Grasnelken, auch wenn es Ende Mai/Anfang Juni schon etwas spät dafür war.
Wälder sind auf der Insel generell vielfach spannender und urwüchsiger als hierzulande, wo die Bäume meist ziemlich gerade sind. Ein paar Mal war ich in einem malerischen kleinen Waldstück gegenüber des St. Ives Holiday Village, in dem beeindruckende alte Bäume standen. Immer wieder sieht man auch wunderbare Alleen.
Bekannt ist England auch für seine Gärten, auch wenn die Bezeichnung „Gärten“ wohl klassisches britisches Understatement ist. In Deutschland nennt man so etwas „Park“. Ich habe nur den Trewidden Garden besichtigt, ein wirklich schöner Garten, auch wenn zur Zeit meines Besuches nicht viel blühte.
oben: Impressionen aus dem Trewidden Garden
Küsten
Mein Hauptaugenmerk lag, wie schon erwähnt, auf den Küsten. Mehrfach suchte ich Godrevy Lighthouse auf, welches auf einer der Küste vorgelagerten Felseninsel steht. Links des Leuchtturms gibt es herrliche Sandstrände. In der Gwithian Beach kann man einen Blick auf das Hidden Minecart werfen (so auf Google maps zu finden). Mitten in der Steilwand ist eine Höhle, und die Deichsel des alten Minenwagens ragt heraus.
Oben: Godrevy Lighthouse und Gwithian Beach, unten: Küste links und rechts von Godrevy Lighthouse
Oben: das Hidden Minecart. Da isses.
Ein weiterer Ausflug führt durch das Kenidjack Valley, wo man die Überreste der Boswedden Mine sehen kann. Man wandert an einem malerischen Bach mit vielen Wildblumen entlang bis zum Meer und sieht dann links Cape Cornwall und rechts auf dem Berg die Ruine von Kenidjack Castle.
oben: links Cape Cornwall, rechts Kenidjack Castle. Darunter der malerische Bach auf dem Weg dorthin und eine Ruine der Boswedden Mine.
Gurnard’s Head war einer der Spots, die ich mehrfach aufsuchte, da er auch nah bei meiner Unterkunft lag. Von Zennor aus, wo ich ein großes Margeritenfeld fand, kann man diese felsige Halbinsel gut zu Fuß erreichen. Sie gehört ebenfalls zum National Trust. Rechts von Gurnard’s Head ist eine wunderbare kleine Bucht, deren Namen ich nicht ergründen konnte. Noch weiter rechts liegen die schönen Buchten Treen Cove und Rose-an-Hale Cove, und natürlich steht auch hier die Ruine eines Engine houses.
Oben: Gurnard’s Head, die wunderschöne Bucht davor, Rose-an-Hale-Cove und ein Margeritenfeld bei Zennor
Unbedingt sehenswert ist die schon erwähnte Botallack Mine. Hier verteilen sich mehrere Ruinen auf dem Gelände, die beiden bekanntesten sind die Crowns Engine Houses, die malerisch auf den Klippen thronen.
Auch in Wheal Coates, zu St Agnes gehörend, stehen mehrere Ruinen an der Küste, und an den Hängen blühte bei meinem Besuch die Heide.
oben: 3 x die “Hauptruine”, was Fotos angeht. Es gibt aber auch andere, siehe darunter.
Sehenswert ist auch St Michaels Mount, der Mont-Saint-Michel von Cornwall. Man sollte sich vorher über die Öffnungszeiten informieren, wenn man nicht, wie ich beim ersten Versuch, vor geschlossenen Toren stehen will. Nur bei Ebbe kann auf dem gepflasterten Weg durch das Meer hinüberlaufen, oder man bekommt nasse Füße. Am Hang vor dem Schloss ist ein schöner Garten angelegt, und innen gibt es auch viel zu sehen. Selbst die Queen war schon hier. Ich habe mich tatsächlich im gleichen Raum aufgehalten wie sie und der jetzige King Charles. Nur halt nicht zur gleichen Zeit.
Zwei Mal fuhr ich zur wunderschönen Kynance Cove, ein weiterer Küstenabschnitt mit Felsformationen und Sandstrand. Auch hier muss man auf die Gezeiten achten, denn ein Teil des Strandes ist bei Flut nicht zugänglich, da man durch einen Felsbogen gehen muss, der dann unter Wasser steht. Außer man schwimmt. Es lohnt sich auch, oberhalb des Strandes an den Klippen entlang zu laufen. Natürlich ist in der Kynance Cove, wie an vielen Stränden, auch mit Besuchern und Badegästen zu rechnen. Der Brite an sich ist bezüglich der Wassertemperatur nicht so wehleidig. Ist das Meer noch recht frisch im Mai oder Juni, wird eben ein Neoprenanzug oder zumindest ein sogenannter Shorty angezogen.
Oben: Kynance Cove
Absolut sehenswert ist auch die Küstenlandschaft bei Land’s End, dem südwestlichsten Punkt von England. Die Parkgebühren sind im Vergleich zu den anderen Örtlichkeiten beachtlich, z. B. 9 Pfund für 5 Stunden, aber man sollte dennoch ausreichend Zeit einplanen, denn der ganze Küstenabschnitt ist - wieder mal - großartig. Geht man ein gutes Stück rechts von Land’s End an der Küste entlang, findet man das Mayon Cliff Ship Wreck. Ich muss allerdings einräumen, dass ich es mir erspart habe, den Weg zum Strand hinunter zu gehen. Links von Land’s End findet man wiederum dekorative Felsformationen im Meer.
Was die Parkgebühren in den Gebieten des National Trust betrifft: Wer länger im Land ist, für den könnte es sich unter Umständen lohnen, Mitglied beim National Trust zu werden, dann kann man vielfach umsonst parken. Land’s End ist allerdings privat. Für die National Trust Parkplätze fielen nach meiner Erinnerung Parkgebühren so zwischen 2 und 4 Pfund an.
Oben: Land’s End
Die für mich schönste Bucht war die Nanjizal Cove. Bis heute weiß ich nicht, wie man den Namen ausspricht, und die Engländer scheinen sich selbst uneins zu sein. Es gibt mehrere Möglichkeiten, hierher zu gelangen, z. B. von Land’s End aus, was die genannten Parkgebühren mit sich bringt. Ich selbst habe - umsonst - an der B3315 hinter Trevescan in einer Parkbucht am Straßenrand geparkt und bin dann abgebogen zum Trevilley Farmhouse und von da aus weiter über Feldwege. Bei meinem zweiten Besuch stellte ich allerdings fest, dass Zäune hochgezogen wurden, so dass der Weg möglicherweise nicht mehr begehbar ist. Im Bereich der Nanjizal Bay laufen Ponys frei herum, und hier habe ich auch im Meer gebadet. Nach einem ersten Test habe ich allerdings ganz schnell meinen Shorty angezogen.
Oben: Nanjizal Cove, Bay oder Beach
Eine sehenswerte Ortschaft, in der man auch mal shoppen kann, ist St Ives mit seinem schönen Hafen (man spricht es mit “i” am Anfang aus). Zum Fotografieren empfiehlt sich die Zeit um den Sonnenaufgang, dann ist es auch noch recht menschenleer, und das Licht fällt schön auf den Hafen. Morgens darf man bis 9.00 Uhr oder 10.00 Uhr, ich weiß es nicht mehr genau, in der Hauptstraße relativ nah beim Fußgängerbereich parken. Umsonst. Man sieht schon, ich bin sehr knauserig, was Parkgebühren betrifft.
Gern hätte ich auch den Dartmoor und den Exmoor National Park besucht, aber das verlangt nach einem eigenen Urlaub. Oder zwei.
oben: St Ives, unten: Nanjizal Bay, Botallack Mine