Neuseeland Teil 7

Westküste, 01.12. - 06.12.2023

Ich will eine andere Wohnung und mache Bekanntschaft mit Sandflies. Werde ich Mount Cook und Mount Tasman sehen, oder bleiben sie in den Wolken verborgen?

01.12.2023

Wieder hieß es einpacken und weiterfahren. Auch in Castlepoint hätte ich länger bleiben und noch mehr Küste erforschen können.

Ich hatte die Nachmittagsfähre gebucht, in der Hoffnung, bei gutem Wetter schönes Licht in den Marlborough Sounds zu haben. Rund zweieinhalb Stunden reine Fahrzeit bis zur Fähre lagen vor mir, und so machte ich mich entspannt nach dem Frühstück auf den Weg.

Ich erreichte den Fährhafen frühzeitig, checkte ein und hatte noch Wartezeit, bevor es auf die Fähre ging. Ich war gespannt. Mein Urlaub auf der Nordinsel war vorüber, nun lagen noch interessante Ziele auf der Südinsel vor mir.

Die Fährüberfahrt war - kalt. Das Wetter war zwar recht gut, aber es war doch sehr schattig. Das mit der späten Fähre zwecks Fotografieren hätte ich mir schenken können. Wohl sahen die Sounds wunderschön aus, aber von der Fähre aus wirkte das alles nicht auf meinen Fotos. Es fehlte die Tiefe. Hier wäre eine Drohne recht gewesen. Gut, dass ich die Marlborough Sounds schon bei meiner ersten Reise besucht hatte.

Wir erreichten Picton, ich fuhr von der Fähre und machte mich auf den Weg an die Westküste. Noch war es hell, aber ich würde meine Unterkunft erst spät bei Dunkelheit erreichen. Ich hatte eine kleine Ferienwohnung für eine Übernachtung gebucht, da ich mein Ziel nicht am gleichen Tag erreichen konnte.

Es gab viele Gebiete an der Westküste, die mich interessiert hätten. Spannende Felsformationen, die Pancake Rocks zum Beispiel. Ein Fluss mit milchig blauem Wasser. Einfach die Küste. Aber – soviel Zeit hatte ich nun mal nicht. Bzw. nicht soviel Geld, um soviel Zeit zu haben.

Irgendwann um zehn oder elf Uhr nachts erreichte ich meine Unterkunft, eine kleine Ferienwohnung mit einem Zimmer, einer kleinen Küche und – wichtig – einem schönen, modernen Bad. Hier begeisterte ich mich für den Waschtisch, der aus einem schönen dicken Naturholzbrett bestand, einschließlich Baumrinde. Ich fotografierte es und schickte meiner Familie das Foto.

02.12.2023

Erst am nächsten Morgen konnte ich das große Grundstück und einen schönen Blumengarten mit blühenden Rosen bewundern. Ich brauchte wieder mal zu lange, um 10.00 Uhr stand schon die Reinigungskraft an der Tür, aber sie hatte kein Problem damit, noch eine Viertelstunde zu warten.

Wer nicht viel auspackt, muss nicht viel einpacken, und so ging es bald weiter. Okarito hieß mein Ziel, ein kleiner Ort an der Westküste. Natürlich fuhr ich nicht nach Okarito, um Okarito zu sehen, sondern wegen Mount Cook und Mount Tasman, die man u. a. vom Lake Matheson aus wunderbar sehen konnte. Ich hatte Okarito ausgewählt, weil es nah an meinen Zielen war, ich nicht im Ort Franz Josef sein wollte und mir einen kleinen Ort am Meer sehr schön für meinen Aufenthalt vorstellte. Naja, was man sich so alles vorstellt. Eine weitere Tour würde mich später noch auf die andere Seite der Alpen bringen.

An diesem Tag machte ich tatsächlich kein einziges Foto. Ich hielt irgendwo unterwegs an einem großen Supermarkt an und kaufte mir u. a. Manukahonig, wenn ich schon mal in Neuseeland war. Den Abstecher zu dem milchig blauen Fluss ließ ich bleiben, der Weg war ohnehin schon lang genug. Das Wetter war schlecht. Aber dass es an der Westküste oft nicht so schön war, wusste ich ja. Gegen Abend erreichte ich die Ferienwohnung. Auch hier sah ich meine Vermieterin nicht, sondern entnahm den Haustürschlüssel einer Schlüsselbox.

Die Wohnung war recht klein und hatte zwei kleine Schlafzimmer. Eigentlich war sie nicht schlecht. Allerdings sollte ich mich während meines Aufenthaltes hier, leider vier Nächte, immer unwohler fühlen.

Das zweite Schlafzimmer war ohnehin eine Kammer für alles, in der noch ein kleines Bett stand, so dass die Wahl nicht schwer fiel. Das Bad war leider gar nichts. Ich sage nur Duschvorhang. Es gibt auch schöne Bäder mit Duschvorhang, dieses war keines. Auf Fotos sieht man halt nicht alles. Der Kaltwasserhahn in der Küche funktionierte nicht. Aus dem Heißwasserhahn kam Wasser, dass aber zu heiß wurde. Ich kontaktierte meine Vermieterin. Ihr Mann hätte das heute noch repariert, da wäre es gegangen. Sie sagte zu, für den nächsten Tag einen Handwerker zu schicken. Der Wasserhahn im Waschbecken im Bad tropfte beständig.

Nun denn. Ansonsten sah es doch eigentlich ganz nett aus. Ich schaute einen Film an.

Die nächste unangenehme Überraschung, als ich ins Bett ging: Das Bettzeug roch unangenehm. So wie Wäsche riecht, die man weggeräumt hat, bevor sie ganz trocken war. Ich fand es schrecklich.

03.12.2023

Am nächsten Tag bezog ich mein Bett mit meiner eigenen Bettwäsche. Dann würde es besser sein.

Ich ging an den Strand, bei mehr oder weniger Regen, aber der Strand gefiel mir auch nicht so richtig. Ein bisschen Okarito Lagune schaute ich auch an, ganz nett, aber irgendwie…

Der Klempner kam und reparierte die Wasserhähne, und ich fuhr Richtung Franz Josef, aber von den Bergen und den Gletschern Franz Josef und Fox – „Franz n’ Fox“ genannt – war nichts zu sehen. Alles in Wolken. Der Ort selbst war ganz nett, es gab viele Geschäfte, ziemlich touristisch, vielleicht würde ich mal ein bisschen shoppen gehen.

Ich fuhr weiter zum Lake Matheson, um ihn wenigstens schon mal zu sehen und die Örtlichkeit zu checken. Am Straßenrand sah ich mehrere Pukekos, Vögel, die ich noch von meiner ersten Neuseelandreise kannte.

Der See war schön, kein Berg zu sehen, Wetter schlecht. Naja. Auf dem Rückweg um den See herum stolperte ich dermaßen, dass ich nur noch durch einen beherzten Schritt über den kleinen Graben neben dem Weg einen Sturz vermeiden und mein Gleichgewicht wiedererlangen konnte. Meine Güte. Ich fuhr zurück in meine Wohnung.

Das Bett roch nicht mehr so schlimm, aber immer noch unangenehm. Mein Unwohlsein stieg.

04.12.2023

Ich fühlte mich nicht so richtig fit. Was es war und woran es lag, weiß ich nicht. Ich war nicht so ganz bei Kräften. Vielleicht bekam mir mein Manukahonig nicht? Ich ließ ihn weg. Ohnehin hatte ich nicht viel Hunger.

Das Wetter war etwas besser am Folgetag, aber von den Bergen war weiterhin nichts zu sehen. Erst Tongariro, dann Taranaki, jetzt Cook und Tasman. Also, mit gelegentlich schlechtem Wetter hatte ich ja gerechnet. Aber dass ich die Berge nicht sehen konnte, weil sie von Wolken umgeben waren – auf diese Idee war ich irgendwie nicht gekommen.

Nun, dann lief ich halt den Callery Gorge Walk, an dessen Ende mich der Callery River mit wunderbar milchig blauem Wasser erwarten sollte. Der Weg führte wieder durch Zauberwald, und der Fluss erwartete mich, aber er war nur milchig grau. Wie das Wetter.

oben: der Callery Gorge Walk und der Callery River. Dank Lightroom konnte ich seine Farbe etwas verbessern.

Über den Callery River sollte die Callery Bridge führen. Aber die war – nein, nicht gesperrt, sie war einfach weg. Eine weitere Folge der Unwetter.

Ich fuhr zum Franz Josef Glacier Car Park.Hier gab es auch kürzere Wege, so lief ich erstmal zu Peter’s Pool, in dem sich auch Berge spiegeln könnten. Jetzt spiegelten sich halt nur Wolken. Dann ging ich noch zu einem Viewpoint, ich meine es war einfach der Franz Josef Glacier Weg. Vom Viewpoint aus sah man heute sogar den Gletscher. Die Wolken hatten ihn so gerade eben freigegeben.

oben: Peter’s Pool

Jetzt hatte ich also einen Gletscher gesehen. Toll.

Am Viewpoint war alles abgesperrt, und ein Schild wies darauf hin, dass man auf gar keinen Fall weitergehen dürfe, weil der Weg zu gefährlich war und immer Leute gerettet werden mussten. Ein lebensgroßer freundlicher Papp-Ranger stand beim Schild. Ich fotografierte mich mit dem Ranger und schickte das Foto an meine Familie. Es stellte sich dann heraus, dass das Ganze so gut aussah, dass sie den Ranger für echt hielten, bis ich sie aufklärte, dass es nur ein Schild war. Wir haben sehr gelacht. Ich vor allem.

Abends lief ich noch in Okarito auf dem Okarito Trig Walk, der recht nett war mit netter Aussicht. Danach ging ich nochmal an den Strand und versuchte mich an Wellen, Felsen und ICM. Eigentlich hatte ich auf einen Sonnenuntergang gehofft, aber die Sonne verschwand schon vor ihrem Untergang hinter Felsen. Naja. Das war einfach nicht mein Ort.

Immerhin machte ich ein, zwei nette Bilder.

05.12.2023

Mein letzter Tag. Oh, was war ich froh, morgen diese Wohnung zu verlassen! Ich hatte beschlossen, den ganzen Tag unterwegs zu sein und auswärts zu essen. Bloß weg von dieser Wohnung. Mein Unwohlsein dort hatte sich noch gesteigert. Als ich durch Franz Josef fuhr, wünschte ich mir, dort eine Unterkunft zu haben. Ich überlegte kurz, aber ich entschied mich doch dagegen. Wenn man schon bezahlt hat, und dann nochmal zahlen und umziehen für eine Nacht… Aber wenn ich noch länger hier geblieben wäre, ich hätte mich woanders eingebucht und doppelt bezahlt.

Ich war mal durch Okarito durchgelaufen und hatte etliche Häuser gesehen, die zum Verkauf standen. Das wunderte mich nicht. Der ganze Ort bestand so aus rund 30 Häusern, und ein Drittel etwa stand zum Verkauf.

Vielleicht tue ich diesem Ort Unrecht. Hätte ich eine schöne Wohnung gehabt und schönes Wetter, vielleicht hätte es mir gefallen. Aber so…

Ich hielt bei einem Fluss an und lief mit meinen Neoprenschuhen durch die feuchte Wiese ans Ufer hinunter, wo ich auf Felsen herumkraxelte in der Hoffnung, ein großartiges Foto zu machen. Ich fand mich sehr kreativ und meine Fotos toll, aber als ich sie zuhause bearbeitete, kam ich zu dem Schluss, dass ich mir die Bearbeitung schenken konnte.

Ein Stück hinter Franz Josef – es ist schon lustig als Deutsche, diese beiden alten deutschenVornamen als Ortsname in Neuseeland – also ein Stück hinter Franz Josef gab es noch einen Mini-Ort, von dem aus man den Minnehaha Walk gehen konnte, der wieder mal durch Zauberwald führte. Der Weg war an sich sehr kurz. Wenn man allerdings alle drei Meter anhalten und das Stativ aufbauen muss, dann kann er sich erstaunlich ziehen.

oben: auf dem Minnehaha Walk. Absolut empfehlenswert!

Franz Josef heißt übrigens auch Waiau. Das klingt schon ganz anders.

Ich glaube, es war auf diesem Minnehaha Walk, als ich erstmals mit den Sandflies Bekanntschaft machte. Es war nämlich etwas wärmer geworden, und ich hatte meine Hose hochgekrempelt. Ich realisierte anfangs nicht, dass das die Sandflies waren, denn ich hatte sie mir irgendwie anders vorgestellt. So wie unsere Schnaken. Aber sie waren kleine Fliegen.

Zunächst dachte ich, dass die Stiche nicht so juckten wie die Schnakenstiche zuhause. Ein paar Tage später erst stellte ich fest, dass sie schlimmer statt besser wurden. Da ich anfangs auch keinen Mückenschutz verwendete und nicht so aufpasste, hatte ich dann später ziemlich zerstochene Knöchel. Das war schon sehr unangenehm. Und ich hatte auch lange was davon, auch zuhause noch.

Nach dem Minnehaha Walk – ein Name wie aus einem Disneyfilm – fuhr ich zum Parkplatz an der Glacier View Road und lief ein Stück den Fox Glacier Southside Walkway bergauf. Irgendwo am Ende meines Weges war noch ein Wasserfall. Auch hier fand ich meine Fotos zunächst großartig, aber zuhause dann...

Später musste ich tanken. An der Eingangstür zur Tankstelle prangte ein Plakat:

„Wallabies are a pest in New Zealand“

Auf dem Plakat ein stilisiertes Wallaby, das böse guckte. Weiter hieß es im Text:

„Wallabies graze on the seedlings that become our native bush, destroying the homes and food of our native birds and other wildlife. They also eat farm pastures, affect water quality and damage planted forests and fences.

We need your help to prevent wallabies spreading into new areas.

SEEN A WALLABY? REPORT IT!“

Mit QR Code.

Ich hätte gerne ein Wallaby gesehen, aber ich befürchte, ich hätte es nicht gemeldet.

Das Essen gestaltete sich schwierig. Ich habe dunkel in Erinnerung, dass ich drei verschiedene Lokalitäten ansteuerte, wo es aber gerade nichts zu essen gab. Jetzt weiß ich aber nicht mehr genau, wie es war. Ich bin jedenfalls nicht verhungert.

Am Abend lichteten sich die Wolken etwas, wenn man weit genug von den Bergen weg war. Ich beschloss, wieder zum Lake Matheson zu fahren. Wenn ich auch keine Berge sehen würde, die sich malerisch im See spiegelten, vielleicht würde es ein paar bunte Wölkchen über dem See geben. Also einfach ein See mit Sonnenuntergang.

Ich lief den Weg um den See zum Fotospot mit dem Steg, der Reflection Island heißt, und harrte der Dinge.

Tatsächlich verfärbten sich zum Sonnenuntergang ein paar Wölkchen. Nichts Großartiges, aber immerhin.

Dann sah ich eine etwas dunklere Wolke, aber es stellte sich heraus, dass es eine Bergspitze war. Eine Bergspitze, der Wahnsinn! Die Sonne war natürlich längst weg, es war 21.00 Uhr. Und dann war noch etwas mehr vom Berg zu sehen. Und ganz langsam wurde es noch etwas mehr.

Mittlerweile waren noch zwei junge deutsche Frauen dazugekommen, von denen die eine ebenfalls fotografierte. Wir knipsten und knipsten.

21.22 Uhr – beide Gipfel, Mount Cook und Mount Tasman, spitzen aus den Wolken!

21.33 Uhr – beide Berge sind zu sehen, auch wenn sie einen Ring aus Wolken haben.

21.35 Uhr – letztes Foto, die Wolken ziehen wieder zu.

Ende der Vorstellung.

Und es war windstill, und sie hatten sich im See gespiegelt! Unglaublich. Und die Berggipfel hatten auch noch ein bisschen geleuchtet, das musste Alpenglühen sein.

Mensch, da hatte ich ja schon wieder noch mal Glück gehabt! Hoffentlich würde das nicht so bleiben, dass die Hauptattraktion immer nur einen Tag oder gar nur eine halbe Stunde zu sehen war.

Mit den beiden Mädels lief ich im Halbdunkel zurück zum Parkplatz, und wir freuten uns.

Leider musste ich jetzt noch eine Nacht in der Ferienwohnung verbringen. Ich wünschte mir, ich hätte mir doch für diese letzte Nacht eine andere Unterkunft gesucht. Ich empfand so einen Widerwillen und so ein Unwohlsein, das war schon arg.

Aber morgen würde ich umziehen. Die nächste Wohnung sah an sich ganz gut aus. Ich hoffte, dass es vor Ort dann auch so war.

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Neuseeland Teil 6