Neuseeland Teil 5
Taranaki, 23.11. - 28.11.2023
23.11.2023
Nun war auch dieser Teil meiner Reise zu Ende. Aber da immer noch soviel vor mir lag – und ich schon ein bisschen froh war, aus der Wohnung zu kommen -, machte mir das gar nichts aus, und ich freute mich auf das nächste Ziel meiner Reise: der Vulkan Taranaki an der Westküste. Ich hoffte, dass ich mich in der dortigen Wohnung wohler fühlen würde. Ich wusste schon, dass es keine moderne Wohnung war, es war ein altes Posthäuschen, das zur Ferienwohnung umgebaut worden war.
Packen dauerte nicht übermäßig lange. Ich hatte mich recht gut arrangiert: Alles, was ich tagsüber brauchen könnte, wie Stativ, Seesack, Ersatzschuhe, Ersatzhose, Jacke, Handtuch etc etc ließ ich immer im Auto. Und das war schon ziemlich viel. Ich packte auch nicht alles aus dem Koffer, nur das, was ich brauchen würde. Am längsten dauerte es immer, die Küchensachen einzupacken. Da hatte sich einiges angesammelt, da ich mich selbst verpflegte und im gesamten Urlaub nur 2x essen war, natürlich in einer Pizzeria, wo ich auch als Vegetarierin immer was Leckeres fand. Außerdem esse ich gerne Pizza.
Für die Fahrt zum Taranaki hatte ich mich aufgrund der Empfehlungen eines meiner Bücher für den sogenannten Forgotten World Highway entschieden, der State Highway 43. Das war nicht ganz so einfach, denn es gab Bauarbeiten dort, und Straßenabschnitte waren zeitweise gesperrt. Ich hatte mich vor meiner Abfahrt im Internet schlau gemacht (ja, ich lerne dazu!) und hoffte, dass alles so stimmte, wie es dort stand. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, ich meine der gesperrte Teil war mittags für eine Stunde offen, diesen Teil musste ich also bis zur entsprechenden Uhrzeit erreichen. So richtig entspannt war ich daher nicht. Auf dem Weg zum Forgotten World Highway kam ich nochmals am Piriaka Lookout vorbei, den ich schon auf der Hinfahrt zum Tongariro passiert hatte, und hielt wieder an, da das Wetter dieses Mal besser war. Ein Polizeiauto hielt auch kurz an, und ich fragte mich schon, ob sie mich wohl kontrollieren würden, aber anscheinend sah ich doch zu harmlos aus, wie ich da mit meiner Kamera auf dem untersten Brett des Zaunes stand und fotografierte, und so fuhren sie wieder weiter.
Apropos Polizei, irgendwann im Verlauf meiner Reise, ich weiß nicht mehr wann und wo, kam ich tatsächlich nachts in eine Polizeikontrolle. Mein sehr schöner neuer internationaler Führerschein interessierte niemanden, ich sollte nur einen Alkoholtest machen. Entgegen den Geräten, die wir hierzulande verwenden und bei denen der Proband mit einer gewissen Motivation für eine bestimmte Zeit in das Gerät blasen muss, hielt man mir das Messgerät vor das Gesicht und forderte mich auf, hineinzusprechen. Ich glaubte, mich verhört zu haben, was sollte ich? Einfach hineinsprechen, bis drei zählen! One, two, three. Ich sprach sicherheitshalber englisch, damit das Gerät mich auch verstehen konnte, wer weiß. Das war jedenfalls alles. Anhand dieses bisschen Atems ermittelte das Gerät, dass ich stocknüchtern war. Ich konnte kaum glauben, was ich da sah. Und mit welch rückständigen Geräten wir in Deutschland arbeiteten.
Zurück zum Forgotten World Highway. Trotz leichter Beunruhigung war ich froh über meine Streckenwahl, denn die Landschaft dort war – wieder einmal - fantastisch. Die eigenartig geformten Hügel, die es auch in anderen Teilen Neuseelands gibt und die ich auch schon auf Fotos aus dem asiatischen Raum gesehen hatte, gaben der Landschaft ein reizvolles und für mich ungewohntes Aussehen.
Den gesperrten Teil erreichte ich pünktlich und konnte problemlos durchfahren. Irgendwann kam der Taranaki in Sicht, und schließlich erreichte ich mein Ziel, Egmont Village. Mein Posthäuschen stand auf dem großen Grundstück der Vermieter, einem Ehepaar mit zwei Kindern, ich hatte also wieder Ansprechpartner vor Ort, und man konnte sich gelegentlich austauschen. Es gab Hühner auf dem Grundstück und einen einsamen Schafbock auf der Wiese hinter dem Posthäuschen, der mir ein bisschen Leid tat, denn Schafe sind Herdentiere, und er hätte sich sicher über eine nette Schäfin als Gesellschaft gefreut. Bei den gelegentlichen Unterhaltungen mit der sehr netten Frau des Hauses, die auch noch berufstätig war, gewann ich den Eindruck, dass ihr Alltag angefüllter war, als ihr das gut tat. Ja, auch in Neuseeland ist nicht alles nur toll.
Das Posthäuschen war ok. Es hatte zwar einen Duschvorhang, weil das Bad nicht wirklich modern war, und bei den Küchenfenstern pfiff es bei Wind ordentlich hinein – Fenster, die bei uns in Deutschland völlig undenkbar waren -, aber ich fand es ganz nett. Hier würde ich fünf Nächte bleiben. Ich richtete mich ein und fuhr natürlich noch zum Lake Mangamahoe, um die ersten Fotos vom Taranaki zu machen. Vielleicht gab es noch einen guten Sonnenuntergang?
Nein, gab es nicht. Ich konnte mich glücklich schätzen, den von Wolken umgebenen Taranaki mit seiner Schneehaube halbwegs zu sehen, die nächsten beiden Tage würde ich ihn nämlich gar nicht zu Gesicht bekommen. Noch vor Sonnenuntergang war er in den Wolken verschwunden, aber immerhin, ich hatte ihn gesehen.
oben: Der Taranaki und Lake Mangamahoe
Um den Taranaki mit dem See im Vordergrund zu fotografieren, musste man ziemlich weit am See entlang durch das Erholungsgebiet fahren. Ich hatte tolle Fotos gesehen mit dem Lake Mangamahoe im Vordergrund, und die Erwartungen waren hoch, aber auf das Wetter hatte ich nunmal keinen Einfluss.
Dafür liefen am See noch einige Kanadagänse mit vielen Küken herum, und die waren natürlich supersüß. Ich knipste viel, aber auch viel Müll. Egal.
oben: kleine Kanadagänse
24.11.2023
Nachdem sich der Taranaki erst mal zurückgezogen hatte, gab es keinen Grund, am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang unterwegs zu sein. Außerdem hatte ich nun Webcams gefunden, bei denen ich morgens gleich schauen konnte, ob vom Taranaki etwas zu sehen war.
Die Straße zum See wurde anscheinend abends mit einem Tor geschlossen, zumindest verkündete das ein Schild am Eingang, und öffnete morgens erst um sieben oder acht Uhr, ich hätte also die gut eineinhalb Kilometer am See entlang laufen müssen und damit nochmal früher unterwegs sein.
Aber das war ja nun nicht nötig. Ich fuhr aber trotzdem – zu angemessener Uhrzeit - nochmal hin, weil ich die Gänseküken bei Tageslicht fotografien wollte. Am Abend zuvor war es doch schon recht düster gewesen. Danach fuhr ich zum North Egmont Visitor Centre. Die Straße führte durch einen wunderschönen Wald, wo ich mehrfach anhielt und Fotos machte. Die Sonne kam immer wieder durch, und ich hatte schönes Licht.
oben: Sind sie nicht süß? Rechts die Straße zum Besucherzentrum.
Als nächstes fuhr ich zum Cape Egmont Lighthouse, wozu ich wieder um den halben Taranaki fahren musste. Das Cape Egmont Lighthouse ist ein weiterer bekannter Fotospot mit dem Taranaki im Hintergrund.
Wenn man ihn sieht.
Heute sah man ihn nicht, und wie ich schon gelernt hatte, hatte der Taranaki sozusagen sein eigenes persönliches Wetter. Dort oben war es verdammt schattig, und es konnte außenrum die Sonne scheinen, während man auf dem Vulkan im schlechtesten Wetter herumirrte. Wer weiß, hätte ich während meines Aufenthaltes jeden Tag klares Wetter gehabt, vielleicht wäre ich sogar hochgewandert. Aber das stand ja nun nicht zur Debatte.
Jedenfalls war es hier, außerhalb des Taranaki, sonnig, blauer Himmel, und nicht unerheblich windig. Bei uns in Deutschland würde man durchaus von Sturm sprechen. Ich fuhr noch etwas weiter bis nach Opunake. Ich hatte die Idee, dass ich dort Wellen fotografieren könnte. Ich musste aber schnell feststellen, dass das bei dem Wind ohne Deckung völlig unmöglich war. So suchte ich mir eine Parkgelegenheit am Meer und fotografierte aus dem Auto heraus, welches im Wind hin- und herwackelte, während die feuchte Meeresluft ständig die Sicht durch die Scheiben behinderte. Zum Sonnenuntergang war ich wieder am Cape Egmont Lighthouse, immer noch kein Taranaki, aber ein paar schöne Wellenbilder mit schönem Himmel.
oben: 4 x Wellen vor Opunake, darunter: andere Wellen, jetzt beim Cape Egmont Lighthouse. Rechts: Der Leuchtturm und der Taranaki (hinter den Wolken, man muss ihn sich vorstellen)
25.11.2023
Bei meinem Aufenthalt hier ereilte mich etwas, das der eine oder andere Fotograf wohl auch kennt. Ich hatte so viele schöne Fotos gesehen und wollte nun auch super Bilder machen, und dabei setzte ich mich selbst erheblich unter Druck. Und jetzt war der Taranaki nicht mal zu sehen, und von meiner Gastgeberin wusste ich, dass man ihn manchmal zwei Wochen lang nicht sehen konnte.
Mir war natürlich bewusst, dass die vielen schönen Fotos ein im wahrsten Sinn des Wortes falsches Bild vermittelten, so als hätte man jeden Tag fantastische Sonnenauf- und untergänge, großartige Wolkenformationen etc. So ist es im wahren Leben halt nicht. Das ist mir vom Verstand her durchaus klar, aber der Druck war trotzdem da.
So hatte ich gestern schon damit zu kämpfen, hatte aber zum Glück mittlerweile auch mehr Möglichkeiten, damit umzugehen, und verbrachte den heutigen Vormittag erst mal damit, mich wieder zu berappeln. Daher fuhr ich auch erst gegen Mittag los. Schlechtes Wetter und teilweise Regenschauer waren angesagt, und was fotografiert man da am besten? Richtig, Wasserfälle.
Ich fuhr zum Dawson Falls Visitor Centre, wiederum ein gutes Stück zu fahren. Hier war man sehr dicht am Taranaki, aber hatte sich ja zurückgezogen und entspannte hinter einer dicken Wolkendecke. Ich lief einmal durch den Regen in das Besucherzentrum, schaute mir die Souvenirs an, und fuhr ein Stück die Straße zurück, wo ich direkt beim Weg zu den Dawson Falls mein Auto am Straßenrand abstellen konnte.
Gleich am Beginn des Weges musste ich mit Fotografieren anfangen, zu schön war der Weg mit einem knorrigen alten Baum und den Moosen und Farnen.
oben: der Weg zu den Dawson Falls, rechts: beim Wasserfall
Mein Regenponcho bewährte sich (schon wieder). Er ist wahrhaft nicht schön. Schwarz und formlos. Aber darunter konnte ich meinen Kameragürtel tragen – ich habe keinen Rucksack, sondern einen Kameragürtel. Sicher sah ich mit dem Poncho über dem Kameragürtel reichlich unförmig aus – „Seht euch die Frau an, dabei sieht sie im Gesicht und von den Knien abwärts so schlank aus!“ -, aber das kümmerte mich nicht.
Ich erreichte die Dawson Falls. Der Wasserfall fiel mehrere Meter in die Tiefe und war sehr schön, aber was mir viel besser gefiel, war der kleine Fluss. Ich turnte auf den Felsen und Steinen herum, fand kreative Bildkompositionen, und war wieder froh. Auch im märchenhaften Wald fand ich noch einige Bilder.
oben: links noch einmal die Straße zum Vistor Centre, rechts Dawson Falls
Am Abend fuhr ich ein gutes Stück an der Küste Richtung Norden. Ich hatte auf Google Maps die Three Sisters and Elephant Rock gesehen, Felsformationen, und dachte, das wäre doch mal was anderes statt Taranaki in Wolken. Auch das Wetter würde dort gut sein. Sonnenuntergang am Meer mit Felsen, das klang verlockend.
Ich hielt zuerst am Parkplatz an, aber ich wusste schon, dass man von dieser Seite aus nur bei Ebbe am Strand zu den Felsen laufen konnte. Da die Flut schon kam, war es mir zu heikel, und ich suchte mir auf der anderen Seite des Tongaporutu River einen Platz, von wo aus ich die Bucht und die Felsen überblicken konnte.
Der Elephant Rock hatte leider mittlerweile seinen Rüssel verloren, früher hatte er deutliche Ähnlichkeit mit einem Elefanten gehabt, wie ich auf Fotos hatte sehen können. Die Three Sisters waren einmal vier gewesen, und mittlerweile sind es wohl nur noch zwei.
Auf jeden Fall war es eine schöne Location und ideal für den Sonnenuntergang, und überhaupt hätte es an der Küste noch mehr schöne Örtlichkeiten gegeben, aber ich hatte halt nur ein paar Tage. Nicht zum ersten Mal und auch nicht zum letzten Mal bedauerte ich, nicht mehr Zeit an meinem Reiseziel zu haben.
oben: der größere Felsen im Hintergrund ist der Elephant Rock. Die kleinen Felsen dahinter sind die Sisters.
26.11.2023
Für den nächsten Tag hatte der Taranaki verkündet, sich heute dem gewöhnlichen Volk zu zeigen, und er hielt Wort. Vormittags fuhr ich wieder zum Lake Mangamahoe und machte ein paar Touristenbilder. Leider war es windig, und die Wasseroberfläche war unruhig. Dann fuhr ich um den Taranaki herum, denn ich wollte ihn abends mit dem Fluss Stony River im Vordergrund fotografieren und mir schon einen Platz suchen. Ich wollte nämlich mal voll professionell eine gute Örtlichkeit und eine richtige Bildkomposition haben und abends auch frühzeitig da sein. Oft passiert es mir nämlich, dass ich irgendwie etwas spät dran bin. Unterwegs fotografierte ich den Taranaki mehrfach, mit Blümchen, mit Kühen, was ich eben so fand.
oben: Der Taranaki mit See, Blümchen und Kühen. Touristenbilder müssen auch mal sein. Die Kühe habe ich allerdings erst am Abend fotografiert.
Es gibt drei sehr beliebte Fotospots für den Taranaki, der eine ist eine kleine Tarn, ein kleiner See, in dem der Taranaki sich bei Windstille wunderbar spiegelt. Der andere ist das Cape Egmont Lighthouse, und der dritte ist der Hangatahua River, auch Stony River genannt, der ebenfalls einen würdevollen Vordergrund für den Taranaki abgibt. Ich war noch unentschieden, wie ich es am geschicktesten anstellen sollte, denn leider war die Wettervorhersage so, dass es am Folgetag wieder schlechter war und ich nur heute die Gelegenheit hatte.
oben: nochmal Taranaki mit Lake Mangamahoe
Den Platz am Fluss hatte ich bei Rach Stewart gesehen, allerdings war die Beschreibung, die zumindest damals in ihrem Blog stand, etwas umständlich. Da sollte man sich nämlich durchs Gebüsch schlagen. Vielleicht habe ich auch was missverstanden. Da das Gebüsch an der schmalsten Stelle geschätzte 10 – 15 Meter breit war, wollte ich das mal probieren. Ich fuhr also die Saunders Road entlang und hielt an der mutmaßlich günstigsten Stelle. Ich kämpfte mich durch dichtes Gebüsch, ein in Deutschland für mich völlig unvorstellbares Unterfangen, weil sich hier ja Spinnen befinden könnten, ich erwähnte es schon mal. Zecken habe ich übrigens nicht festgestellt. Ich gelangte auf die andere Seite, wo dann auch weitläufig der Fluss war, von viel steinigem Grund umgeben. Nicht umsonst wird er Stony River genannt. Ich prägte mir die Stelle ein, wo ich wieder ins Gebüsch musste, und erkundete die Örtlichkeit. Danach kroch ich wieder zurück und kam auf die glorreiche Idee, den Weg noch weiter zu fahren. Wenn man das tut, gelangt man nämlich kurz darauf zum Ende der Straße, mit kleinem Parkplatz, in Google Maps als Blue Rata Reserve gekennzeichnet. Beim Parken sah ich eine Frau aus dem Wald kommen und dachte, sie hätte sich dort einen Pinkelplatz gesucht, aber dann stellte ich fest, dass es ein schmaler Pfad war, auf dem man nach ein paar Metern – welch Überraschung - ebenfalls zum Fluss gelangte, und zwar ohne durch das Gebüsch zu kriechen. Auf der Flussseite herausgekommen, prägte ich mir wiederum ein, wo der Pfad war, denn man konnte dort schnell die Orientierung verlieren. Dann lief ich ein wenig herum, suchte nach Bildkompositionen und knipste hier und da.
oben: Der Taranaki mit dem Stony River. Da muss man erst mal eine Bildkomposition finden.
Jetzt galt es zu überlegen: Das Bild mit dem Fluss im Vordergrund am Abend wollte ich auf jeden Fall machen. Hier gab es viele Möglichkeiten für eine noch nicht tausendfach fotografierte Bildkomposition, während die kleine Tarn nicht so viele Möglichkeiten bot. Wäre beides möglich? Doch zur Tarn hätte ich erst hinwandern müssen, und ich wollte ja nicht grelles Mittagslicht, sondern wenigstens Spätnachmittagslicht. Ich glaube mich zu erinnern, dass es so um die zwei Stunden Gehzeit waren. Würde ich das schaffen, anschließend schnell wieder zurück, hierher fahren und fotografieren?
Ich entschied mich dagegen, was manchen erstaunen mag, der an den Tongariro zurückdenkt. Aber diesmal war mir das alles zu knapp, ich wollte auf jeden Fall das Foto am Fluss machen, und ich wollte rechtzeitig da sein und mehrere Stellen fotografieren. Und ich wollte nicht hetzen.
Und so fuhr ich erst mal wieder in meine Ferienwohnung und bereitete mir etwas zu essen, und am späten Nachmittag machte ich mich wieder auf den Weg, nochmals zuerst zum Lake Mangamahoe, wo das Licht nun schöner und das Wasser etwas ruhiger war als am Vormittag. Ich stellte fest, dass Bäume im Vordergrund nicht zu groß im Bild sein durften, sonst wirkte der Taranaki nicht majestätisch genug, und das könnte ihn verärgern und dazu veranlassen, sich wieder hinter Wolken zurückzuziehen.
Dann fuhr ich entspannt – denn ich hatte viel Zeit! - wieder den Weg Richtung Fluss und machte unterwegs die gleichen Fotos wie beim ersten Mal, nur mit schönerem Licht.
oben: mit dem Abendlicht sieht es doch besser aus
Schließlich erreichte ich gegen halb acht meinen Parkplatz im Blue Rata Reserve. Nebenan war eine Weide mit Rindern, und als ich da so vorbei lief, um den Taranaki nochmal mit ein paar Blümchen im Vordergrund zu fotografieren, war ich für die Rinder die Attraktion schlechthin. Begeistert standen sie am Zaun und starrten mich an, und ich sprach huldvoll zu ihnen.
oben: meine Fans
Dann ging ich durch den Wald zum Fluss und probierte erneut verschiedene Stellen, um den Taranaki bestmöglich abzulichten. Die eine super Bildkomposition hatte ich am Mittag nämlich nicht gefunden, nur mehrere „nette“. Auch hier stellte ich wieder fest, dass nicht jede Stelle geeeignet war, den Taranaki auch wirklich zur Geltung zu bringen.
Ich hatte meine Surfschuhe angezogen, die noch aus meiner Windsurfzeit übrig waren. Sie leisteten mir in Neuseeland gelegentlich gute Dienste, und ich hatte sie auch schon bei Regenwetter im Wald getragen, denn ich hatte damals noch keine wasserdichten Barfußschuhe, und meine wasserabweisenden Barfußschuhe wiesen soviel Wasser nun auch nicht ab. Eigentlich fast gar keines.
Mit Neopren an den Füßen konnte ich gut an einigen Stellen im Fluss herumlaufen, wo das Wasser nicht zu wild und nicht so tief war. Es gab andere Stellen, da musste man durchaus aufpassen.
Nach einer Weile des Ausprobierens und Herumsuchens fand ich eine Stelle, die mir richtig gut gefiel. Links und rechts Felsen, dazwischen ein schmaleres Stück, wo das Wasser in zwei kleinen Stufen hinunter strömte. Und ich konnte, nachdem ich die Stelle erst mal erreicht hatte, mich tatsächlich auf einen Felsen setzen und meine Füße auf anderen Felsen abstellen. Ich baute mein Stativ auf, und als gegen halb neun die Sonne unterging und die letzten Strahlen auf den Taranaki fielen, saß ich auf meinem Felsen und knipste und knipste begeistert. Nach Sonnenuntergang zogen ein paar Wölkchen um den Taranaki, und auch das sah wunderschön aus.
Der Taranaki und ich waren sehr zufrieden.
oben: dies war meine endgültige Bildkomposition. Obwohl mir zuerst das Bild mit Abendsonne besser gefiel, wurde später das Bild nach Sonnenuntergang mein Favorit.
27.11.2023
Am letzten Tag meines Aufenthaltes fuhr ich erst am späten Vormittag los. Der Blick auf die Webcam hatte gezeigt, dass der Taranaki sich wieder verhüllt hatte. Nachdem er uns gestern so großzügig mit seiner Gegenwart beehrt hatte, war er wohl der Meinung, man solle das einfache Volk nicht zu sehr verwöhnen.
Ich fuhr erneut zum Dawson Falls Visitor Centre. Dort wollte ich einen Rundweg gehen, durch den Goblin Forest – wie das schon klang! - und Wilkies Pools anschauen. Schon an der Straße, der Manaia Road, die in den Wald zum Besucherzentrum führt, musste ich wieder anhalten und fotografieren.
Es ist schon schade, dass ich zwei Mal beim Besucherzentrum war, dicht am Taranaki, und ihn nie von dort gesehen habe.
Beim Besucherzentrum sah ich diesmal auch ein Schild. Ein niedlicher kleiner Hund, vielleicht ein Lhasa Apso, der aus dem Fenster eines Pkw schaute. Ein Hinweis, dass man seinen Hund bei warmem Wetter nicht im Auto lassen sollte?
Weit gefehlt.
„No dogs“, „Keine Hunde“ teilte das Schild mit. Und weiter:
„Not even in your car
Up to $ 100,000 fine
Department of conservation“
Für die Nicht-englisch-sprechenden, also z. B. für meinen Vater: „Nicht mal in deinem Auto! Bis zu 100 000 Dollar Strafe – Ministerium für Naturschutz“
Donnerwetter. Nicht mal im Auto durfte der arme Fiffi sitzen, der sichtlich betroffen war ob derartiger Anfeindungen.
Ja, da ist Neuseeland ziemlich radikal. Es wird alles versucht, die heimische Fauna zu schützen.
Der Goblin Forest hielt, was der Name versprach. Ein zauberhafter Märchenwald mit knorrigen Bäumen, von denen lange Flechten wehten. Wilkies Pools waren auch schön, vielleicht nicht großartig, aber schön. Eine junge Frau mit Rucksack saß auf den Felsen und las in einem Buch.
oben: Der Goblin Forest. Rechts und unten Wilkies Pools.
Ich folgte dem Weg weiter, wieder in den Zauberwald hinein. Der Track war an sich nicht lang, aber wenn man alle paar Meter fotografieren muss, kommt man nicht so schnell vorwärts. Ein Wasserfällchen reihte sich an das nächste, einer floss sogar über den Wanderweg. Ich war begeistert. Wenn wir doch in Deutschland auch solche Wälder hätten!
Auf einem weiteren Weg, den ich nur ein Stück hineinlief, weil er doch sehr unter Wasser stand und ich auch langsam wieder zurück wollte, stand ein Schild:
“Film Crew
Nature documentary film crew working ahead
Please feel free to come through but if we are using a drone or camera crane we may ask you to wait for a moment until it’s safe to pass. Thank you.“
Ah. Ich dachte schon, sie wollten Besucher interviewen. Mir wäre sicher nichts Passendes eingefallen.
Gut, dass ich die Filmcrew nicht getroffen habe. Obwohl…
Auf dem Rückweg, kurz nachdem ich losgefahren war, sah ich die Wanderin von Wilkies Pools, die eine Mitfahrgelegenheit suchte. Normalerweise nehme ich nie jemanden mit, aber irgendwie dachte ich, ich halt mal an. Ich erklärte ihr, dass ich sie nur bis dahin mitnehmen konnte, wo die Manaia Road aus dem Wald hinausführte, was aber auch ein paar Kilometer waren. Dort wollte ich noch einmal ein paar Fotos machen.
Sie kam aus den Niederlanden und sprach viel besser englisch als ich. Sie erzählte ein bisschen von ihrer Tour und wie ihre Art zu reisen aussah. Ich fragte auch, was der Rucksack wog, und ich meine es war irgendwas zwischen 15 und 20 kg. Natürlich erzählte ich ihr auch ein bisschen, wie ich unterwegs war, und dann waren wir schon aus dem Wald draußen. Es dauerte nicht lange, da stieg sie ins nächste Fahrzeug ein, während ich noch ein bisschen in den Wald lief.
oben: Die Straße ins Besucherzentrum
Ich dachte über ihre Art des Reisens nach, Rucksack, trampen, Jugendherberge. So kommt man natürlich viel billiger durch Neuseeland als ich mit Pkw und Ferienwohnungen (bitte mit modernem Bad, ohne Duschvorhang!), aber ich kannte mich mittlerweile gut genug und wusste, dass ich mich extrem unwohl fühlen würde, wenn ich so reisen würde. Mal ganz abgesehen davon, dass ich niemals so einen schweren Rucksack durch die Gegend schleppen wollte.
Und überhaupt, wo sollte dann meine Fotoausrüstung hin?
Abends fuhr ich nochmal zum Leuchtturm. Erstaunlicherweise zeigte sich der Taranaki noch einmal für kurze Zeit, vielleicht hatte er Mitleid mit mir, weil es mein letzter Abend war. Er trug eine Halskrause aus dichten Wolken. Ich wurde direkt etwas hektisch, wer wusste schon, wie lange der Taranaki zu sehen wäre! So konnte ich also doch noch ein Leuchtturmfoto mit Taranaki machen, auch wenn ich meine Position nicht so ganz optimal fand. Der Taranaki muss ja auch immer gut zur Geltung kommen. Sonne hatte ich keine, aber einen spannenden Wolkenhimmel. Tja, und dann war er auch schon wieder weg. So fotografierte ich noch ein bisschen Meer und Himmel, und zum Sonnenuntergang war sogar die Sonne für einen Moment zu sehen und erleuchtete mein Bild.
Die Fotos vom Taranaki fand ich dann aber doch nicht gut genug.
unten: Taranaki und Lighthouse. Es hat nicht sollen sein.