Neuseeland Teil 4
Tongariro Nationalpark, 17.11. - 23.11.2023
17.11.2023
Nun musste ich mich von Ferry Landing und meinen netten Gastgebern schon wieder verabschieden. Doch mein Urlaub war noch lang, und ich freute mich auf meine nächsten Ziele. Jetzt lagen erst mal rund fünf Stunden Fahrt vor mir – ohne Pausen gerechnet. Das Ziel hieß Raurimu. Ich habe keine Ahnung, wie man es ausspricht. Es ist einer von diesen kleinen Orten mit einer Straße und fünf Häusern. Vielleicht auch sieben. Es gab dort nichts Besonderes, aber ich hatte nur eine Viertelstunde Fahrzeit bis zum Tongariro Nationalpark.
Unterwegs legte ich einen Stopp beim Piriaka Lookout ein, wo man eine schöne Aussicht hatte. Bei meiner Ankunft in Raurimu war kein gutes Wetter, und es war bereits fast dunkel, als ich ankam. Ich folgte exakt der Beschreibung zur Ferienwohnung. Genau genommen handelte es sich, wie so oft, um ein kleines Haus, wobei es als Ferienwohnung schon ziemlich groß war. Es hatte auch zwei Schlafzimmer, was preislich keinen Unterschied gemacht hatte zu anderen Angeboten.
oben: Piriaka Lookout
Ich erinnere mich gut, wie ich in die Einfahrt fuhr und die Scheinwerfer meines Toyota Corolla die Außenwände eines schon deutlich in die Jahre gekommenen Hauses beleuchteten. Mein erster Gedanke war: „Hoffentlich ist es das nicht!“.
Tja, es war es aber doch. So ist das mit den Ferienwohnungen. Man sieht halt nur Fotos, und da sieht es meist besser aus. Wobei ich eigentlich gar nicht sagen kann, warum es mir nicht gefiel. Es war an sich nicht schlecht. Es war wirklich mit allem ausgestattet, was man brauchen konnte. Es hatte sogar eine Waschmaschine, und ich konnte auf der Terrasse die Wäsche trocknen. Aber das Bad war nicht schön. Es war alt und abgenutzt. Fast schon heruntergekommen. Natürlich hatte es einen Duschvorhang. Wenigstens funktionierte die Heizung, es war nämlich ganz schön frisch. Welch ein Unterschied zum frühsommerlichen Hahei!
Das Wasser musste ich erst im Garten in einem Erdloch aufdrehen. Ein mir bis dahin unbekanntes Patent. Ich musste erst meine Vermieterin anrufen, die mir das am Telefon erklärte.
Aber die Ausstattung, wie gesagt, da konnte man nicht meckern. Sogar einen Videorekorder gab es und viele Filme, so dass ich dann auch zwei, drei Videos anschaute. Aber – ich fühlte mich unwohl in der Wohnung, und das blieb auch so während meines gesamten Aufenthaltes von fünf ganzen Tagen und somit sechs Nächten.
Apropos Nacht, einige Unterkünfte stellen keine Bettwäsche, man kann sie aber dazubuchen. Da ich letztendlich zwei oder drei Unterkünfte dieser Art hatte, hatte ich eigene Bettwäsche mitgebracht. 30 – 50 NZD oder Euro, ich weiß es nicht mehr, für Bettwäsche leihen ist schon ziemlich teuer, und im Koffer war noch Platz gewesen (zumindest vom Gewicht her). Dies war so eine Unterkunft, wo ich mein Bett erst noch mit meiner eigenen Bettwäsche beziehen musste.
Der Blick zum Haus nebenan und seinen Nebengebäuden offenbarte erschreckende Unordnung. Ein Saustall, der nicht dazu beitrug, dass ich mich wohler fühlte. Die Auswahl an Ferienwohnungen hier, die meinen Anforderungen entsprochen hatte, war nicht groß gewesen. Soweit ich mich erinnere, war dies so ziemlich die einzige Wohnung gewesen, die in Frage gekommen war. Nun, genug gemeckert.
Meine Vermieterin habe ich in der Zeit meines Aufenthaltes nicht gesehen, sie wohnte woanders. Wenn ich gelegentlich eine Frage hatte, schrieb ich ihr oder wir telefonierten.
18.11.2023
Die Wettervorhersage war leider erst mal nicht gut. Am nächsten Morgen fuhr ich in den Tongariro Nationalpark. Dort besuchte ich als erstes den kleinen Supermarkt im National Park Village an der Abzweigung zum Volcanic Loop Highway, der für seine Größe gut aufgestellt war und auch eine Tankstelle hatte. Dann fuhr ich besagten Highway entlang, der an den Vulkanen vorbeiführt. Nur leider sah ich sie nicht. Dichte Wolken hingen in der Gegend herum und versperrten die Sicht. Es regnete auch immer wieder. Ich wusste gar nicht, wo die Vulkane genau sein sollten, und fühlte mich an La Gomera erinnert, wo ich den Roque de Agando ebenfalls aufgrund von dichten Wolken erst am fünften Tag gesehen hatte.
Da konnte man nichts machen. Was man bei so einem Wetter immer fotografieren kann, sind Wasserfälle, und davon gibt es in Neuseeland genug. Die Tawhai Falls waren ganz in der Nähe und wurden mein erstes Ziel. Dieser Wasserfall mit seinem Pool ist ein Drehort aus Herr der Ringe, und der Pool ist als Gollum’s Pool bekannt geworden. Ich habe mir die Filme schon lange nicht mehr angesehen, da müsste ich wirklich mal schauen, ob ich den Ort wiedererkenne. Es soll aber einiges verändert worden sein, so dass man den Wasserfall im Film nur schwer erkennt.
Ich war nicht die einzige vor Ort. Einige für die Location völlig unpassend gekleidete Herren in dunklen Anzügen und mit Regenschirmen standen herum, und auf einem Felsen einige Meter weiter, direkt am rauschenden Fluss, entdeckte ich einen Mann und eine Frau, offensichtlich ein Brautpaar. Ihnen gegenüber, neben den Herren, ein Fotograf. Die Braut trug Gummistiefel. Vielleicht hatte sich das Paar hier kennengelernt? Er war ins Wasser gefallen, und sie hatte ihn gerettet, und jetzt standen sie mir im Bild herum.
Oben: Das mutmaßliche Brautpaar samt Anhang an den Tawhai Falls; nochmal Tawhai Falls und rechts Mangawhero Falls
Doch bald waren die Fotos fertig, und man machte sich auf den Rückweg, Braut und Bräutigam kletterten über die Felsen, und ich rechnete fast damit, dass sie in den ziemlich reißenden Fluss fallen würden, zumal sie noch ihre Schirme in der Hand hielten, aber alles ging gut, und ich konnte meine Fotos machen.
Danach fuhr ich zum Mangawhero Falls, der 28 m in die Tiefe stürzt und ein weiterer Drehort für die Herr der Ringe Trilogie war. Insgesamt war ich mit mir selbst recht zufrieden, trotz schlechtem Wetter hatte ich das beste daraus gemacht und Freude gehabt.
oben: Tawhai Falls und Mangawhero Falls im Hochformat
19.11.2023
Für den nächsten Tag war wiederum schlechtes Wetter mit viel Regen angesagt, und so entschied ich mich, diesen Tag für meine Fahrt nach Waiotapu oder auch Wai-O-Tapu zu nutzen, die mich noch einmal in den Norden führte, mit zwei Stunden Anfahrt. Etwas umständlich, aber dennoch hatte ich mich schon zu Hause für diese Variante entschieden, da ich nicht nur ein oder zwei Nächte in Waiotapu bleiben und dann wieder umziehen wollte. Außerdem würde ich so auch am Lake Taupo vorbeikommen und ihn zumindest sehen, denn er war ebenfalls den Kürzungen zum Opfer gefallen. Ein weiterer aktueller Vorteil war, das in Waiotapu für den Tag besseres Wetter angesagt war als im Tongariro Nationalpark.
In Waiotapu ist das „Thermal Wonderland“. Das klingt zwar nach Thermalbad, tatsächlich handelt es sich aber um heiße Quellen in einem geothermisch aktiven Gebiet. Am bekanntesten ist der farbenfrohe Champagne Pool, und den wollte ich unbedingt sehen.
Vormittags fuhr ich erst noch zum Tongariro, und heute konnte man schon hier und da Konturen der Vulkane sehen. Ich ärgerte mich später etwas, diesen Umweg gemacht zu haben und auch sonst rumgetrödelt zu haben, denn das Thermal Wonderland schloss früher, als es im Internet stand, und Parkmitarbeiter trieben die Besucher schon eine Stunde vorher Richtung Ausgang. Es war so viel zu sehen und es war so fantastisch, dass ich wesentlich mehr Zeit gebraucht hätte und zu meinem großen Bedauern nicht alles sehen konnte. Obwohl ich teilweise förmlich durchgerast bin. Allein schon der Champagne Pool mit diesen unglaublichen Farben, und es brodelte darin und Dampfwolken zogen über den Pool hinweg, fantastisch! Es roch nicht so gut, aber egal.
Oben: Champagne Pool
Außerhalb des Parks gab es noch einen Lady Knox Geysir, doch die Straße dorthin war gesperrt. Natürlich. Weiter auf der Waitotapu Loop Road gab es noch den Mud Pool. Hier gab es ein paar Schlammlöcher, die vor sich hinblubberten und immer wieder mal etwas Schlamm ausspuckten. Ich hielt respektvoll Abstand, ich hatte keine Lust auf einen heißen Schlammbrocken im Gesicht.
Oben: Champagne Pool kann man auch im Querformat fotografieren. Drittes Bild: Roto Karikitea, viertes Bild: Rua Owhanga, ein eingestürzter Krater
Auf dem Rückweg machte ich Station am Lake Taupo. Solch riesige Seen sind doch meist eher unfotogen. Jedoch hatte ich Fotos gesehen, wonach es im See einen Baum geben sollte, ähnlich dem Wanaka Tree. Ich hatte die Fotos genauestens untersucht, um herauszufinden, wo dieser Baum sein könnte, denn es war – zumindest damals - keine Ortsangabe zu finden, da man Wohnanwesen in unmittelbarer Nähe schützen wollte, was durchaus löblich ist. Auf Google Maps sah ich den Baum auch nicht. Ich kam zu dem Schluss, dass er vermutlich an der SH 1 irgendwo sein musste, die ich ohnehin entlangfuhr, irgendwo im unteren Bereich bei den Ortschaften.
Es ist mir bis heute rätselhaft, wie ich den Baum beim dritten Versuch tatsächlich fand, denn üblicherweise habe ich ein Talent, mich zu verfahren und Örtlichkeiten nicht zu finden. Ich kann auch nicht mehr nachvollziehen, wo er genau war. Ich bog irgendwo rechts ab und fuhr eine Straße entlang, und vielleicht bog ich nochmal links ab Richtung See, es war eine kleine, möglicherweise ungeteerte Straße, die mich zu einer großen Wiese führte. Hier parkte ich und sah den Baum dann links von mir im Wasser. Der Himmel war grau, aber es hing noch eine interessante Wolke über einem Berg im Hintergrund. Einige Kormorane saßen im Baum und machten ein Päuschen vom anstrengenden Fischen. Später habe ich die Bilder auch in schwarz-weiß umgewandelt, und eines gefiel mir besonders gut. Ich hatte zwar etwas daran arbeiten müssen, denn aufgrund des Windes waren zwei Belichtungen erforderlich gewesen, eine kurze für den Baum und eine lange für das Wasser, aber ich war sehr zufrieden.
Oben: Der Baum im Lake Taupo. Links das Foto, das mir am besten gefällt, daneben die Farbversion.
20.11.2023
Am nächsten Tag war von den Vulkanen immer noch nicht viel zu sehen. Gut, dass ich noch zwei weitere ganze Tage hatte, da sollte es besser werden. So erkundete ich die beiden Parkplätze, die Anfangs- und Endpunkte des Tongariro Crossing waren. Wie großartig das schon klang, Tongariro Crossing! Zuhause hatte ich gedacht, dass ich das nicht machen würde, es war mir zu umständlich erschienen. Denn üblicherweise fährt man mit dem Bus zum ersten Parkplatz, wandert den ganzen Weg entlang, so 18-20 km, und am anderen Parkplatz wird man wieder abgeholt.
Jetzt, vor Ort, merkte ich, dass es mich doch hinzog, und gleichzeitig stresste mich der Gedanke, einen passenden Bus zu finden und das ganze Drumherum. Andere, die die Tour gemacht haben, lachen jetzt wahrscheinlich darüber, aber einen Bus buchen und damit fahren ist für mich immer etwas, das ich vermeide. Man musste ja am Ende auch wieder zur rechten Zeit am Parkplatz sein, wo man abgeholt wird, und so etwas passte mir gar nicht, ich wollte mir soviel Zeit lassen, wie ich wollte, und in Ruhe fotografieren.
Auf den Parkplätzen durfte man nur drei oder vier Stunden parken, ich erinnere mich nicht mehr genau. Die Wanderung würde jedoch wesentlich länger dauern. Schließlich reifte ein Gedanke in mir: Was, wenn ich den Tongariro gar nicht crossen würde, sondern hochlaufen und wieder zurück? Da ich zum Sonnenaufgang schon ein Stück des Weges hinter mir haben wollte, könnte es auch mit dem Parkplatz klappen. Um fünf oder halb sechs Uhr früh würde sicher niemand den Parkplatz kontrollieren. Es gab hier natürlich keine Parkuhren oder Parkscheiben oder ähnliches. Ich würde nicht alles sehen können, aber ich wäre frei in meiner Zeit und müsste nicht mit Busfahren herumeiern.
So schaute ich mir mal beide Parkplätze an. Die meisten starteten vom Parkplatz in der Mangatepopo Road aus und liefen bis zum Parkplatz in der Ketetahi Road. Der Weg von der Mangatepopo Road aus hatte für mich den Vorteil, etwas kürzer zu sein und etwas weniger Höhenmeter zu haben. So schaute ich mir erst mal alles an und freundete mich langsam mit dem Gedanken an.
Oben: Links ein Wasserfall praktisch neben der Straße, rechts einer ein Stück weiter weg. Beim zweiten Wasserfall habe ich mir viel Zeit genommen, aber das Ergebnis begeistert mich nicht so richtig. Eine Langzeitbelichtung wäre vielleicht besser gewesen, aber es war zu windig. Oder einfach eine andere Tageszeit. Oder gleich ein anderer Tag.
Ich fotografierte noch mehr Wasserfälle, die es dort an der Straße oder in unmittelbarer Nähe gab. Dann ging die Fahrt zum Lake Rotopounamu, denn die Vulkane hüllten sich immer noch vielfach in Wolken, da fand ich einfach kein vernünftiges Bild. Vom Parkplatz an der Straße lief man ein Stück durch den Wald, und das war wieder ein klassischer neuseeländischer Märchenwald. Am See selbst war es nach meiner Erinnerung für meine Zwecke – fotografieren – nicht so optimal, so dass ich mir die Seeumrundung schenkte.
Oben: Auf dem Weg zum Lake Rotopounamu
Dann fuhr ich wieder zum Tongariro Crossing Parkplatz in der Ketetahi Road, denn hier gab es noch die Ketetahi Falls, die ich auf der Karte gefunden hatte. Vom Parkplatz aus lief ich ein Stück den Trail entlang – ja, ich war auf dem Tongariro Alpine Crossing Trail, wenn auch nur für ein, zwei Kilometer! -, dann ging ein kleiner Weg rechts weg. Es stellte ich heraus, dass die Ketetahi Falls ein absolut zauberhafter, von Wald umgebener Wasserfall waren. Kein Mensch war dort außer mir. Wunderschön!
oben: Ketetahi Falls
Auf dem Rückweg mit dem Auto hatte ich plötzlich einen fantastischen Sonnenuntergang! Wie hatte mir das entgehen können? Leider unpassend für die Vulkane. So knipste ich halt irgendeinen Berg in die eine und einen anderen Berg in die andere Richtung. Der eine Berg war, wie ich später herausfand, der Mount Hauhungatahi.
oben: Mount Hauhungatahi im Sonnenuntergang
21.11.2023
Für den nächsten Morgen zum Sonnenaufgang war das Wetter eher nicht so gut angesagt. Die Tage zuvor war es ohnehin aussichtslos gewesen. Ich beschloss, einfach mal zu schauen. Wenn ich zur entsprechenden Zeit wach werden würde, würde ich aufstehen, sonst würde ich ausschlafen.
Ich wurde wach und raffte mich auf, da ich irgendwie das Gefühl hatte, ich sollte es tun. Dass ich kurz darauf eines meiner Lieblingsfotos meiner Reise machen würde, konnte ich nicht wissen. Das Wetter sah nicht so vielversprechend aus, aber es war ja auch noch nicht richtig hell, vielleicht hatte es mehr Potential, als ich auf der Fahrt sehen konnte. Als ich auf den Volcanic Loop Highway einbog, fand ich mich im Nebel wieder. Super. Dafür war ich jetzt so früh aufgestanden! Ich fuhr trotzdem weiter, und tatsächlich war der Nebel ein paar hundert Meter weiter weg. Ich stellte mich an den Spot, den Rach Stewart in ihrem Blog beschrieben hatte. Der Himmel war komplett bewölkt. Das sah nicht gut aus. Aber da ich nun schon mal da war und die Sonne in 10 Minuten aufgehen würde, würde ich jetzt halt warten. Danach konnte ich immer noch zurückfahren und mich wieder ins Bett legen.
Sonnenaufgang. Sah man was? Ach da, über dem Mount Ruapehu, da wurde tatsächlich ein kleines Wölkchen leicht rosa. Wahnsinn. Ich fuhr ein kleines Stück weiter, von wo aus der langgestreckte Ruapehu besser zu sehen war, und knipste ein paar Bilder. Immerhin. Ein rosa Wölkchen, und die Wolkenschicht auf dem Mount Ruapehu wurde auch etwas angestrahlt. Ich war nicht umsonst hier.
oben: Mount Ruapehu im Sonnenaufgang. Das Bild schaffte es nicht in die Auswahl, auch wenn ich mich zunächst über die beleuchteten Wölkchen gefreut hatte.
Dann fiel mein Blick nach links, zum Mount Ngauruhoe, von dem nur die linke Flanke zu sehen war. Was war das? Rechts über dem Berg schien ein Teil der Wolken von hinten gelb beleuchtet zu werden! Das wurde er natürlich auch, und zwar von der Sonne, und an dieser Stelle war die Wolkenschicht wohl recht dünn. Ein unglaubliches Bild! Ich bedauerte kurz, meinen vorherigen Platz verlassen zu haben, aber ich wagte nicht, zurückzufahren. Wer weiß, wie lange das anhalten würde! Und so baute ich mein Stativ mitten auf der Straße auf, lauschte natürlich immer auf den Verkehr – um die Uhrzeit kein fast Thema - und machte ein Bild nach dem anderen. Ein fantastisches Schauspiel am Himmel! Vor lauter Aufregung vergaß ich, dass ich auch mal ein Foto im Hochformat machen könnte. Es wäre natürlich rückblickend schön gewesen, auch noch eine andere Komposition zu versuchen oder, nachdem ich schon etliche Bilder im Kasten hatte, doch noch zurückzufahren zur ursprünglichen Stelle. Aber letztendlich war ich hochzufrieden und freute mich wie Bolle, dass ich so früh aufgestanden und hierher gefahren war. Das war ein Sonnenaufgang am Mount Ngauruhoe, wie ihn nicht jeder hatte. Eigentlich niemand. Nur ich! Nach ca. sieben Minuten war das Schauspiel vorbei. Alles war wieder bewölkt, kein Licht kam durch, und ich fuhr zurück, immer noch begeistert über mein Glück.
Oben: Mount Ngauruhoe im Sonnenaufgang
Das Bild vom Mount Ruapehu mit dem rosa Wölkchen schaffte es übrigens nicht in die Auswahl. Es war einfach zu schlecht.
Nach dem Frühstück fuhr ich nochmal zu den Tawhai Falls, denn ich wollte sie auch mal ohne Regen fotografieren. Dann fuhr ich zum Whakapapa Village und von da weiter auf der Bruce Road. Da oben sollte es nämlich einen Skilift oder ähnlich geben, damit wollte ich auf den Berg. Davon hatte ich in einem meiner Reiseführer gelesen. Tatsächlich ist am Ende der Bruce Road ein kleines Skidorf, aber jetzt war halt nicht die Zeit für Skifahren, und der Lift ging natürlich auch nicht, und so machte ich ein paar Fotos, auf denen der Mount Hauhungatahi zu sehen war, während mir der kalte Wind um die Ohren pfiff, und fuhr wieder runter.
Den Mount Hauhungatahi hatte ich schon am Vorabend fotografiert, mit dem tollem Sonnenuntergang. Wie der Berg hieß, konnte ich zunächst nicht herausfinden, und so fragte ich bei einem meiner Einkäufe im Supermarkt, und tatsächlich konnte man mir dort den Namen sagen.
Wenn man nun weiß, wie die Neuseeländer ihre Orts- und Bergnamen aussprechen, kann man sich denken, dass ich im Supermarkt nur eine Ahnung bekommen habe, wie der Berg heißt, doch mit dieser Ahnung fand ich ihn dann nach längerem Suchen auf der Karte. Ich war sehr stolz, und nun, wo ich wusste, wie man den Namen schrieb und ihn schon mal gehört hatte, konnte ich ihn auch aussprechen.
Wie man Ruapehu und Ngauruhoe ausspricht, wusste ich natürlich auch, denn ich hatte mir hierzu extra auf Youtube ein paar Filmchen angeschaut, in denen Neuseeländer die Namen aussprechen!
Für diesen Nachmittag hatte ich mir noch einiges vorgenommen. Ich wollte den Tama Lake Walk gehen, unterwegs noch den Taranaki Wasserfall anschauen, und dann den Sonnenuntergang beim Lower Tama Lake oder beim Upper Tama Lake fotografieren. Der Wanderführer sprach von 17,5 km und 5,5 Stunden Gehzeit. Der vernünftige Teil in mir fragte nach, ob das nicht vielleicht ein bisschen viel werden könnte, da ich doch am nächsten Tag sehr früh aufstehen wollte, um auf den Tongariro zu laufen, was auch ungefähr 18 km wären. Aber aufgrund des ungünstigen Wetters war beides früher nicht möglich gewesen. Irgendwie würde es schon gehen, danach konnte ich mich ja ausruhen.
Also parkte ich mein Auto auf einem Parkplatz im Whakapapa Village, wo ich direkt am Wanderweg war und keine zeitliche Beschränkung zum Parken hatte, und machte mich auf den Weg. Ich besichtigte die Taranaki Falls und lief weiter durch die schöne neuseeländische Natur. In dieser schönen Natur, wo es weit und breit nichts gibt, findet man an den Wanderwegen tatsächlich immer wieder Toilettenhäuschen. Das fand ich erstaunlich. Und durchaus praktisch. Übrigens gibt es auch in den vielen Ortschaften, die im Grunde nur Dörfer sind, fast überall öffentliche Toiletten. Sogar mit Toilettenpapier. Da könnte man sich in Deutschland durchaus mal eine Scheibe abschneiden.
Ich erreichte den Lower Tama Lake, der mich zum Fotografieren jetzt aber nicht so begeisterte, weswegen ich bald weiterlief zum Upper Tama Lake, der, wie der Name bereits vermuten lässt, noch weiter oben war. Ich war ganz froh, dass ein Stück vor mir noch zwei Jungs liefen und ich nicht so ganz allein in dieser Weite war. Der Upper Tama Lake gefiel mir besser. Ich war nicht direkt am See, sondern sah ihn von weiter oben.
oben: Lower Tama Lake, erster Versuch
Der Wind frischte auf – also er war verdammt kalt – und trieb die Wolken über den Himmel, so dass ich wunderbares Licht- und Schattenspiel hatte. Die Jungs waren irgendwann mit ihren Selfies fertig und gingen wieder zurück, ich machte auch noch ein paar Selfies. Ich meine mich zu erinnern, dass ich ein Ministativ dabei hatte, vielleicht habe ich die Kamera aber auch auf Felsen deponiert. Die Bilder gefielen mir sehr gut.
oben: Upper Tama Lake
Da der See bereits vor Sonnenuntergang im Schatten war, machte ich mich auf den Rückweg, ich würde ohnehin erst im Dunkeln zurück sein. Der Lower Tama Lake sah jetzt im Abendlicht besser aus, überhaupt sah alles wunderschön aus.
oben: Lower Tama Lake, zweiter Versuch, das gefiel mir viel besser
Dann ging die Sonne unter, der Himmel fing förmlich zu brennen an, es war fantastisch! Und ich war irgendwo im Niemandsland und hatte kein Motiv. Der Lower Tama Lake war im Schatten und bekam von dem Schauspiel nichts ab. Der Mount Ruapehu, der links vor mir war, war von Wolken eingehüllt, die keine Farbe hatten. Nur um mich herum brannte alles. Ich machte das beste daraus, aber es werden wohl keine Bilder sein, die meine Fotografenkarriere vorantreiben. Aber – mir gefallen sie. Das ist das Wichtigste.
oben: dieses Bild gefällt mir sehr
Es war lange dunkel, als ich irgendwann gegen 22.00 Uhr, 22.30 Uhr mein Auto erreichte. Auf dem letzten Stück war der Weg länger und länger geworden. Erleichtert ließ ich mich in den Sitz fallen und fuhr in die Ferienwohnung zurück. Und morgen früh wollte ich gleich wieder los…?
22.11.2023
Für diesen Tag war die Wettervorhersage richtig gut. Den „Hauptact“ erst am letzten Tag zu sehen, fand ich nicht so optimal, aber es war nicht das letzte Mal auf dieser Reise.
Um 4.30 Uhr klingelte der Wecker. Ich musste echt bekloppt sein. Warum so früh? Weil ich die Idee hatte, dass ich zum Sonnenaufgang schon ein Stück Weg gelaufen sein müsste und vielleicht schöne Sonnenaufgangbilder machen konnte. Und weil ich mit dem Parken kein Problem haben wollte, aber das war nur ein Randgrund. Im Übrigen sind auch die angebotenen Touren sehr früh, so zwischen 6 und 8 Uhr.
Natürlich war ich wieder langsamer als erhofft, ich meine, dass ich so um Viertel nach fünf loslief. Meine Ausrüstung war sparsam, Wasser, eine Kleinigkeit zu essen, Kamera und das Ministativ. Ohne Fotoausrüstung hätte ich mehr zu essen mitnehmen können, aber da muss man entscheiden, was wichtiger ist. Zunächst war ich ganz allein unterwegs, dann wurde ich gelegentlich von anderen Wanderern überholt, die zwar später losgelaufen waren, aber vor mir da sein würden, da sie besser trainiert und schneller waren, während ich nur im Urlaub solche Touren machte. Egal, ich musste mein eigenes Tempo gehen, sonst würde ich die Strecke nicht schaffen.
Der Weg ging viel über Bohlen und Treppen und war recht gut zu laufen. Nach etwa einem Drittel kam ein Hinweisschild, dass man den bequemsten Teil hinter sich hätte und wenn man jetzt Probleme hätte, sollte man besser umkehren, denn es würde anstrengender werden. Ich ging weiter.
Ich kann solche Touren nur machen, weil ich vorher nicht weiß, was auf mich zukommt. Ein zweites Mal würde ich sie nur in den seltensten Fällen gehen.
Die Sonne ging auf, aber meine Hoffnungen erfüllten sich nicht. Vor mir war zuviel Anstieg, als dass irgendetwas auf meiner Seite von der Sonne beleuchtet würde, auch die Vulkane waren außer Fotoreichweite. So gesehen wäre es günstiger gewesen, die Tour von der anderen Seite zu laufen. Oder zwei Stunden früher loszulaufen.
Es war ein anstrengender Weg, aber mich befällt in solchen Fällen immer der eiserne Wille, den Gipfel zu erreichen. Und so ging ich weiter. Ich wurde immer wieder mal überholt, aber noch hielt sich die Zahl der Wanderer in Grenzen. Der Mount Ngauruhoe zu meiner Rechten war jetzt ganz nah. Das letzte Stück zum Tongariro hoch war relativ steil, aber – Stück für Stück, Schritt für Schritt ging ich weiter, und schließlich war ich oben auf dem Tongariro Krater! Geschafft, auf dem Rückweg musste ich nur bergab laufen! So der Plan.
oben: Mount Ngauruhoe mal aus ganz anderer Perspektive
Auf dem Tongariro füllte es sich immer mehr mit Wanderern. Aus der Ferne fotografierte ich den wunderschönen Blue Lake, den ich leider nicht aus der Nähe sehen würde, da ich hier wieder umkehren würde. Ich verspeiste ein kleines Frühstück und beneidete ein bisschen die Leute, die ausgiebige Mahlzeiten dabei hatten. Von oben fotografierte ich die Emerald Lakes mit ihrer wunderschönen Farbe. Leider hatte ich Gegenlicht, und so kamen sie nicht richtig zur Geltung. Ob ich vielleicht hinunter…? Nein, auf keinen Fall, dann musste ich den Tongariro wieder hochlaufen, das war ein steiles Stück. Ich könnte höchstens etwas weiter hinunter gehen, ein kleines Stück, vielleicht würde es dann besser werden. Vielleicht noch ein Stück? Ach verdammt, vielleicht würde ich nie wieder hierherkommen, den Berg wieder hochzusteigen, würde ich auch noch schaffen! Und so ging ich hinunter. Mittlerweile war schon ziemlich Betrieb, obwohl es gerade mal Viertel nach Acht war. Der Weg ist steil und geröllig, war aber auch zu bewältigen. Wenn man unten bei den Emerald Lakes steht, ist es schwer zu erkennen, wie weit der Weg nach oben ist, der Tongariro wirkt dann gar nicht so hoch. Nur anhand der winzigen Personen auf meinen Fotos kann man es erahnen.
Um die Emerald Lakes dampfte es aus allen Löchern. Ich fotografierte fleißig, und ich liebäugelte auch mit dem Blue Lake, aber der war noch ein ganzes Stück entfernt, und so ließ ich es bleiben.
ganz oben: einer der Emerald Lakes und der Tongariro, unten links der Blue Lake aus der Ferne, rechts noch einmal der Emerald Lake. Das Programm schneidet mir hier leider etwas ab.
Irgendwann machte ich mich wieder an den Aufstieg, ich hatte mich ja nun etwas erholt. Oben hielt ich mich noch eine Weile auf, sog alles in mich auf, fotografierte, und so gegen 10 Uhr machte ich mich wieder auf den Rückweg. Bevor ich hinunter ging, kam ich auf die Idee, noch ein paar Wanderfotos von mir zu machen. Das gestaltete sich schwierig, denn mittlerweile ging es hier zu wie auf einem Bahnhof, und es gab wenige Momente, in denen andere Wanderer zumindest nur entfernt im Hintergrund auf meinen Fotos waren. Mittlerweile zogen auch immer mehr Wolken auf. Kein Vergleich zu meiner Ankunft, als ich tatsächlich strahlend blauen Himmel hatte – zum ersten Mal, seit ich im Bereich des Tongariro war.
Auf dem Rückweg begegneten mir Leute, die nichts außer einer Wasserflasche dabei hatten. Ging wohl auch.
Der Rückweg war wieder lang. Sehr lang. Ich wunderte mich über die Strecke, die ich heute morgen bergauf gelaufen war. Das hatte ich geschafft? Unglaublich. Die letzten zwei Kilometer zogen sich wie Kaugummi. Ich hatte keine Lust mehr. Wie lang konnten zwei Kilometer sein?
Endlich war ich am Auto angelangt. Halleluja! Und auch kein Strafzettel oder sonstiger Hinweiszettel. Es war aber auch noch nicht Hauptsaison, die fing erst im Dezember an. Ich denke, das war hilfreich.
Erschöpft fuhr ich irgendwann um die Mittagszeit in die Ferienwohnung zurück.
Am Nachmittag – was sollte ich in der Ferienwohnung herumsitzen? - machte ich mich wieder auf Richtung Nationalpark. Ich fotografierte den Ngauruhoe noch ein bisschen, diesmal mit den gelben Blüten dieses Strauches, der vielleicht Ginster war, im Vordergrund. Sehr kreativ. Dann fuhr ich nochmals zu den Ketetahi Falls, denn beim ersten Mal hatte ich kein Weitwinkelobjektiv dabei gehabt, das wollte ich nachholen. Abends fotografierte ich nochmal den Ngauruhoe und machte die gleichen Bilder wie am Nachmittag, nur mit Abendlicht. Und dann passierte es schon wieder: Bei Sonnenuntergang brannte der Himmel, und ich hatte kein Motiv. Rückblickend frage ich mich schon, wie das sein konnte. Normalerweise bin ich zum Sonnenuntergang an einer passenden Örtlichkeit, wenn die geringste Hoffnung besteht, dass es interessant werden könnte. Ich glaube, die Vulkane lagen ungünstig für den Sonnenuntergang, oder ich dachte das zumindest. So genau kann ich es nicht mehr sagen. Jedenfalls knipste ich die Straße und irgendeinen Baum. Das hätte ich mir aber auch schenken können und einfach den Sonnenuntergang genießen, aber da tue ich mich noch schwer. Wobei ich das Straßenbild gar nicht so schlecht finde.
unten: Ketetahi Falls, Mount Ngauruhoe. Ganz unten: Sunset an der Straße